18.5.2020, 08 Uhr

11. Berliner Hörspielfestival: Video-Interview mit den Macher*innen

Vom 21. bis zum 24. Mai findet das 11. Berliner Hörspielfestival (BHF) – das Festival der freien Szene – online statt. Sämtliche nominierte Hörspiele und Live-Gespräche mit den Macher*innen werden live über die YouTube-Kanäle des BHF und der Akademie der Künste gestreamt, täglich von 18 Uhr bzw. 19 Uhr bis 23 Uhr.

Die Hörer*innen können online für verschiedene Wettbewerbe ihr Voting abgeben und anschließend noch eine Woche lang einzelne Beiträge nachhören. Insgesamt 35 Stücke aus allen Bereichen der akustischen Kunst – von erzählerischen, dokumentarischen bis zu klangkünstlerischen und sprachexperimentellen Formen – stehen zur Auswahl.

Im Video-Interview verraten die Macher*innen des Berliner Hörspielfestivals mehr zur Geschichte des BHF sowie zur diesjährigen Online-Edition. Hier ein Auszug aus dem Interview mit den Künstlerischen Leiter*innen des BHF – Andreja Andrisević, Golo Föllmer und Jochen Meißner – sowie mit Cornelia Klauß, Sekretär der Sektion Film- und Medienkunst, Akademie der Künste.


Jochen Meißner: Das erste Berliner Hörspielfestival hat 2008 im Strandbad Weißensee stattgefunden. Da gibt es eine überdachte Bar, in der man schön sitzen kann, die abgedichtet war nach vorne, man konnte trotzdem auf den See gucken und Hörspiele hören. Das hat auch wunderbar funktioniert. Im zweiten Jahr fand es dann wieder dort statt, da hat es allerdings geregnet und auf dem Blechdach hatte man dann mehr John Cage-Effekte für die Hörspiele als eigentlich geplant.

Andreja Andrisević: Wir sind ja das Hörspielfestival der freien Szene und diese Freiheit gilt zum einen dem gestalterischen Bereich. Die Freiheit der freien Szene besteht aber auch darin, unabhängig zu sein von Sendern und Verlagen. Also gerade den Menschen sozusagen mal eine Öffentlichkeit zu geben, die weder im Radio zu hören sind noch auf CD, sondern die hochkreativ sind und daheim in Eigenregie produzieren und keine Plattform dafür haben und auch im Endeffekt kein Geld verdienen – das sind die Stücke, die bei uns laufen und denen wir ein Forum geben.

Golo Föllmer: Um ein Hörspiel zu produzieren, braucht man super wunderbar wenig.

Andreja Andrisević: Naja, man munkelt ja, das heutzutage ein Smartphone genügt.

Cornelia Klauß: Man braucht nur ein Aufnahmegerät und eine Idee.

Jochen Meißner: Man braucht ein vernünftiges Mikro, ein paar vernünftige Kopfhörer, eine gute Software.

Cornelia Klauß: Das Hörspiel hat schon eine lange Tradition an der Akademie der Künste. Es war vor allem durch die Woche des Hörspiels mal sehr präsent in unserem Haus und das ist so ein bisschen versandet in den letzten Jahren. Ich arbeite jetzt seit drei Jahren für die Sektion [Film- und Medienkunst] und habe das wiederbelebt und das waren jetzt eigentlich immer sehr erfreuliche Veranstaltungen, wo das Publikum im Foyer oder im Saal der Akademie sitzt und alle hören einem Hörspiel zu. Und wir haben danach immer sehr lange Gespräche und Diskussionen dazu organisiert.

Jochen Meißner: Dieses Jahr ist es zum ersten Mal so, dass wir eine Förderung vom Senat bekommen haben und in Zusammenarbeit mit der Akademie der Künste das Ganze etwas größer denken wollten.

Cornelia Klauß: Wie das dann so ist, man trifft sich, man hat sofort das Gefühl, dass das auch in die Akademie gehört, weil die freie Hörspielszene natürlich etwas ist, das man unbedingt zusammendenken muss mit der arrivierten, etablierten Hörspielszene, das ist ja untrennbar mit einander verknüpft. Einmal durch bestimmte Leute und einmal natürlich auch, weil die freie Hörspielszene so ein Experimentierfeld ist, wo ich mir jedenfalls immer wünschen würde, dass einzelne Ideen und Einfälle auch in den öffentlichen Rundfunk stärker einsickern und rüberschwappen.

Andreja Andrisević: Dieses Jahr hatten wir einen Rekordstand an Einreichungen: 151 Stück. Es ist eigentlich eine sehr schöne Mischung von auch wieder ernsten Stücken, welche die sehr unterhaltsam sind, sehr geistreich, aber auch witzig, und welchen, die zum Nachdenken anregen. Es gibt Stücke über Unordnung und unaufgeräumte Schreibtische. Es gibt Stücke über irgendwelche skurrilen Figuren, die Vögeln die Augen ausreißen. Es gibt ein bisschen Horror dieses Jahr auch. Es gibt ein ganz unheimliches Haus mit gelben Fenstern, wo seltsame Dinge passieren. Es gibt sehr Witziges. Es gibt ein wunderbares, ganz kurzes Stück, mit eineinhalb Minuten, das handelt vom Horror des Alltags am Beispiel einer Menübestellung bei McDonald's. Wir haben ein sehr schönes buntes Spektrum und auch ein tolles Altersspektrum, also ich glaube wir haben einen Elftklässler, das ist der jüngste. Wir verbinden alle Generationen, wie Fußball.

Golo Föllmer: Das Wesentliche ist natürlich, dass man sich unterhalten kann. Also dass man die Autoren auch zu ihren Stücken sprechen hört, dass man denen Fragen stellen kann und dass man sich auch begegnet. Letzteres werden wir dieses Jahr nicht ganz so gut hinkriegen, aber die Gespräche werden da sein. Das heißt wir haben Streams, in denen die Stücke laufen, und danach gibt es immer Live-Gespräche zwischen unseren wunderbar charmanten und spitzfindigen Moderatoren und den jeweiligen Autorinnen und Autoren.

Cornelia Klauß: Das heißt man kann sich jetzt als Zuhörer, als Besucher da einschalten und kann vier Tage lang dabei sein in Echtzeit und mit allen Risiken, die da irgendwie auch drinstecken, in diesem Streaming. Insofern ist das eine interessante Herausforderung. Für die Akademie ist das auf jeden Fall auch ein Schub, jetzt ins digitale Terrain vorzustoßen und sich da auch technisch völlig neu aufzustellen und auszuprobieren, aber das machen ja im Moment wirklich viele, die Theater vor allem. Und ich finde, das ist wiederum auch ein Experiment. Dem beizuwohnen finde ich interessant.

Jochen Meißner: Hören ist der Zugang zu einer Welt, die man durch die Augen eben nicht so wahrnimmt, wie man sie über einen anderen Sinn wahrnimmt.

Cornelia Klauß: Hören hat viel damit zu tun, dass man zuhört, wahrnimmt und vielleicht auch filtert.

Golo Föllmer: Hören ist... Einlassen.

Jochen Meißner: Es gibt diesen berühmte Satz von Lorenz Oken, dass man mit den Augen in die Welt hinaus geht und dass durch die Ohren die Welt zu einem hinein kommt.

Andreja Andrisević: Er geht einmal ins Gehirn, aber er geht auch ins Herz und das ist schon was Besonderes, weil das eine ganz starke Suggestivkraft hat. Doch, das wäre eigentlich für mich Hören: Hören ist, Geist und Gefühl gleichberechtigt anzusprechen.

Golo Föllmer: Das heißt alles, was man können muss am 21. bis 24. Mai ist, auf seinem Endgerät, Laptop, Computer, Tablet, Handy, einen Link zu drücken, gutes Audio anzuschließen, Lautsprecher oder gute Kopfhörer, und visuell mit uns zusammen in diese Hörspiele reinhören.


Das gesamte Interview mit den Macher*innen des Berliner Hörspielfestivals können Sie sich im Video anhören und -sehen.

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