18.12.2018, 15 Uhr

John Heartfield goes online – www.heartfield.adk.de

Neuer Onlinekatalog macht die Werke des politischen Künstlers zugänglich

Startseite von „Heartfield Online" mit der Fotomontage von John Heartfield,
Krieg und Leichen - Die letzte Hoffnung der Reichen, 1932, Design Heimann + Schwantes

John Heartfield (1891–1968) gehört zu den innovativsten und bedeutendsten Künstlern, die sich mit ihrem Werk politisch engagiert und dem Faschismus entgegengestellt haben. Seine Plakate, Buchumschläge für den Malik-Verlag und Zeitschriftencover für die Arbeiter-Illustrierte-Zeitung (AIZ) sind ein wesentlicher Teil der politischen Ikonographie der Weimarer Republik und des antifaschistischen Exils. Sie erreichten die Massen und prägten nachhaltig das Bildgedächtnis dieser Zeit. Weniger bekannt sind heute die Arbeiten für das Theater, viele nicht publizierte Entwürfe und das Montagematerial, das er sammelte. Über 6.000 Werke aus Heartfields Nachlass haben sich in der Kunstsammlung der Akademie der Künste erhalten. Das grafische Ouevre Heartfields gehört heute zu den gefragtesten Beständen im Akademie-Archiv. Ab sofort sind über 4.000 Werke unter www.heartfield.adk.de online frei zugänglich.

Die Freischaltung des Heartfield-Onlinekatalogs bildet den Auftakt für eine längerfristige Auseinandersetzung mit dem Ausnahmekünstler Heartfield: 2019 wird unter dem Titel „Kosmos Heartfield" eine virtuelle Ausstellung entwickelt, 2020 wird schließlich eine Werkschau im Akademie-Gebäude am Pariser Platz gezeigt.

„Für das Akademie-Archiv ist es die erste Webpräsentation eines Werknachlasses, mit der wir der wissenschaftlichen Auseinandersetzung, aber auch der Bildungsarbeit in Schulen, neue Impulse geben wollen. Nicht nur viele bisher unbekannte Arbeiten von John Heartfield gelangen erstmalig in die Öffentlichkeit, der Katalog bietet eine Vielfalt von Informationen und Funktionen, die ihn zum zentralen Arbeitsmittel für Heartfield-Forscher machen werden", meint der Direktor des Archives Werner Heegewaldt. „Erst die großzügige Unterstützung der Erben und Rechteinhaber von John Heartfield haben das Projekt möglich gemacht, genauso wie die finanzielle Unterstützung durch die Ernst von Siemens Kunststiftung."
Im Rahmen eines zweijährigen Digitalisierungs- und Erschließungsprojekts wurde das grafische Werk verzeichnet. Alle Arbeiten sind nun frei zugänglich, können digital recherchiert, im Zoom detailliert betrachtet und verglichen werden. Eine Biografie mit vielen bisher unveröffentlichten Fotos wirft Schlaglichter auf Heartfields von Flucht und Exil geprägtes Leben und sein Künstlernetzwerk, ein Glossar sorgt für Kontextualisierung.

„Neue Ankäufe für Museen und Archive stehen im Fokus von Öffentlichkeit und Medien. Ungleich wichtiger ist jedoch die Erschließung und Erforschung der Bestände – nicht nur durch spektakuläre Ausstellungen, sondern auch durch sorgfältige Bestandskataloge, die über viele Jahrzehnte ihre Gültigkeit behalten sollen. Durch die Förderung von Druck oder Onlinestellung und wissenschaftlicher Erarbeitung von Bestandskatalogen unterstützt die Ernst von Siemens Kunststiftung die wissenschaftliche Bestandserschließung. Etwa 250 dieser Grundlagenwerke sind inzwischen gefördert worden, der digitale Bestandskatalog zu John Heartfield fügt sich hier hervorragend ein. Gleichzeitig schont der digitale Zugang die Originale und ist deshalb ein gemeinsam mit der Hermann Reemtsma Stiftung gefördertes Projekt der Initiative KUNST AUF LAGER", freut sich Dr. Martin Hoernes, Generalsekretär der Ernst von Siemens Kunststiftung.

Mit Unterstützung der Heartfield-Erben. Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und der Ernst von Siemens Kunststiftung.