Was der Körper erinnert.
Zur Aktualität des Tanzerbes

24. August – 21. September 2019
Akademie der Künste, Hanseatenweg

Eine Veranstaltungsreihe der Akademie der Künste, Berlin.
In Kooperation mit DIEHL+RITTER und der Kulturstiftung des Bundes.
Gefördert von der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb und dem Institut Français Deutschland.
In Zusammenarbeit mit Tanz im August und dem Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin.
Der Campus wird gefördert im Programm Sharing Heritage.

Ein Blick auf die Tanzmodernen des 20. Jahrhunderts zeigt, wie in Abgrenzung zum klassischen Ballett und anderen Bewegungstraditionen neue Körperbilder, choreographische Konzepte und Wahrnehmungsebenen seit dem Jahrhundertbeginn entwickelt werden. Sie stehen für Emanzipation, für die Befreiung aus Geschlechterrollen und Körperbildern, für die Dynamik von utopischen Aufbrüchen und politischer Vereinnahmung, aber auch von Widerstand. Tänzerinnen und Tänzer wie Isadora Duncan, Mary Wigman, Gret Palucca, Jean Weidt oder Valeska Gert haben nicht nur den Tanz als Kunstform revolutioniert, sondern auch die anderen Künste grundlegend inspiriert und die Frage nach der politischen Dimension im Tanz thematisiert. Ähnlich verhält es sich mit den Aufbrüchen der Nachkriegsmoderne, mit dem Tanztheater in Deutschland, dem Butoh in Japan, dem Modern und Postmodern Dance in den USA oder dem zeitgenössischen Tanz in Frankreich und Belgien.

Im Zentrum des Programms stehen Fragen der Weitergabe von choreographischem und tänzerischem Wissen zwischen den Generationen und damit auch der Repertoirebildung von zeitgenössischem Tanz. Ebenso sollen die Möglichkeiten von Rekonstruktionen historischer Werke und deren körperlicher und performativer Transformation ausgelotet werden. Welche Methoden werden angewandt, um historisches Material aus den Archiven in eine tänzerische Gegenwart zu übersetzen, welche Aneignungen und Fortschreibungen werden dabei praktiziert? Wie verhalten sich Material und Aufführung zueinander? Das Archiv als kreativer Prozess historischen wie zeitgenössischen Tanzschaffens.

Die umfangreiche Installation „Das Jahrhundert des Tanzes“ führt Materialien aus deutschen Tanzarchiven und internationale Aufführungen zusammen. In einer Programmreihe von mehr als 20 aktuellen Tanzproduktionen wird das Tanzerbe von Isadora Duncan, Mary Wigman und Valeska Gert bis zu Anne Teresa De Keersmaeker und Xavier Le Roy als Gegenwartskunst exemplarisch thematisiert. Ein Campus führt internationale Studierende in die Themen choreographischer Bewegungs- und Körperforschung ein. Ein diskursives Veranstaltungsprogramm reflektiert die gesellschafts- und kulturpolitische Bedeutung von tänzerischem und choreographischem Erbe und stellt sie in den Kontext von postkolonialen und geschichtstheoretischen Debatten. Eine Filmreihe sowie ein Reader zum „Jahrhundert des Tanzes“ vervollständigen das Gesamtprogramm.

Vom 24. August bis zum 21. September 2019 wird die Akademie der Künste am Hanseatenweg zur forschenden Plattform des tänzerischen Erbes.

KONTAKTE '19.
Biennale für Elektroakustische Musik und Klangkunst

26. – 29. September 2019
Akademie der Künste, Hanseatenweg

Die dritte Ausgabe des Festivals KONTAKTE fragt nach Möglichkeiten des Performativen in der elektroakustischen Musik. Erkundet werden zum einen instrumentale körperliche Qualitäten des Musizierens mit Modular-Synthesizern, Plattenspielern u. a., zum anderen Formen musikalischer Praxis, die sich auf sonstige Weise dem Performativen öffnen. Als historische Kulisse dient das Feedback Studio Köln, gegründet 1970 von Johannes Fritsch, dessen Nachlass sich im Musikarchiv der Akademie der Künste befindet, Rolf Geelhaar und David Johnson. Die Feedback Gruppe war eine der herausragenden Initiativen, die sich im internationalen Gravitationszentrum Köln der 1970er-Jahre herauskristallisierten und durch die Suche nach neuen Formen der Selbstorganisation und Diversifizierung intellektueller Interessen – vor dem Hintergrund einer zunehmend globalisierten, komplexen und pluralistischen Welt – auszeichneten. Demgegenüber stehen aktuelle Produktionen, wie der dritte Teil der Musiktheater-Trilogie Stadt Land Fluss von Daniel Kötter und Hannes Seidl, ein Konzertprojekt aus dem Umfeld der Musikhochschule Shanghai sowie der von Ignaz Schick kuratierte Turntablisten-Marathon T.I.T.O., der am Tag des Berlin-Marathons, dem 29. September, den Ausklang von KONTAKTE '19 bildet.