Wo kommen wir hin.
Ein künstlerisches Forschungslabor der Akademie der Künste

21. März – 2. Juni 2019

Konzept: Kathrin Röggla, Karin Sander und Manos Tsangaris

Wohin entwickeln sich die Künste und die Gesellschaft heute? Und wie steht es um das Widerstandspotenzial der Künste im politischen Raum? Diesen Fragen widmet sich die Akademie der Künste in einem neuen Programmschwerpunkt von März bis Anfang Juni 2019. Ziel ist es, die Werkzeugkästen der künstlerischen Produktion neu zu reflektieren. Schreiben, Komponieren, Konzipieren, Schauspielern, Inszenieren: Akademie-Mitglieder und Gäste überdenken die Formen ihres künstlerischen Handelns und befragen diese auf ihre Grenzen hin.

Das Programm startete im Dezember 2018 mit einem „Vorbereitungsbüro" im Kolumba Kunstmuseum des Erzbistums Köln, setzt sich ab 21. März 2019 mit einer Reihe von Veranstaltungen und Gesprächen im Akademie-Gebäude am Hanseatenweg fort und mündet in eine 14-tägige Veranstaltungsphase (18. Mai bis 2. Juni 2019). Entstehen werden akustische, installative und interdisziplinäre Arbeiten, die verschiedene Denk- und Arbeitsansätze verhandeln.

Der Komponist Manos Tsangaris, Direktor der Sektion Musik der Akademie der Künste, spricht von „szenischer Anthropologie": Der Mensch, der zuhört, zuschaut oder mitdiskutiert, steht im Zentrum der Komposition, der Inszenierung oder der Installation. Was bedeutet dieser Ansatz für die künstlerische Produktion und ihre Mittel?

Die Schriftstellerin Kathrin Röggla, Vizepräsidentin der Akademie, fragt nach Kommunikationskrisen, in der privaten wie öffentlichen Kommunikation, in der zunehmend Begriffe wie Dramaturgie, Narrativ oder Continuity eine Rolle spielen. Wo lassen sich die Risse in scheinbar funktionierender Kommunikation heute zeigen und was ist ihr Verhältnis zur Politik? Kann eine neue Form der Vermeidungsästhetik das fassen?

Die bildende Künstlerin Karin Sander, Mitglied der Akademie der Künste, wird Zukunftsvorstellungen als Produktivkräfte zusammentragen und vom 28.4. bis 12.5. die Räume der Akademie der Künste bespielen. Zusammen mit dem Soziologen und Gründer von FUTURZWEI, Harald Welzer möchte sie die Frage nach Zukunftsbildern stellen und dabei diejenigen zu Wort kommen lassen, die die zukünftigen Menschen in unserer Gesellschaft sein werden.

Die Filmemacherin Jeanine Meerapfel, Präsidentin der Akademie, und der Musiker Floros Floridis setzen sich in ihrer Mixed Media Performance aus Film, Tanz, Text und Musik damit auseinander, wie Künstliche Intelligenz den Alltag des Menschen kolonisiert.

In allen künstlerischen Arbeiten erwachsen – anders als in den Wissenschaften – Möglichkeiten des anarchischen oder paradoxen Handelns. Insofern handelt es sich bei „Wo kommen wir hin" um ein Forschungslabor, das die Gestaltungsmöglichkeiten widerständigen Handelns und Denkens produziert und damit Anstöße für ein zukunftsfähiges Mitgestalten von Gesellschaft gibt. Dieser Möglichkeitssinn führt neben Kathrin Röggla, Karin Sander, Manos Tsangaris und Jeanine Meerapfel, Präsidentin der Akademie der Künste, weitere Mitglieder der Akademie und Gäste zusammen: den Raumbildner Mark Lammert, den Schriftsteller und Filmemacher Alexander Kluge, die Autorin A.L. Kennedy, die Komponisten Helmut Lachenmann und Marc Andre, den Hörspielautor und bildenden Künstler Eran Schaerf, die Schauspieler Jens Harzer und Hanns Zischler, den Soziologen Harald Welzer, den Dramaturgen Malte Ubenauf, den Musiker Floros Floridis, die Schauspielerinnen Valery Tscheplanowa und Angela Winkler oder den Hörspielautor Oliver Sturm.

Entstehen soll eine ständige Verhandlung verschiedener Arbeitsansätze, eine Art permanente Konferenz, in der einzelne Narrative sichtbar bleiben und sich zugleich miteinander verbinden: ein dynamisches Experimentierfeld von Akteurinnen und Akteuren zur Dekonstruktion eingeübter Gewissheiten.

Eileen Gray. E.1027 Master Bedroom. Ein modernes Gesamtkunstwerk

12. April – 10. Juni 2019
Akademie der Künste, Pariser Platz 4, 10117 Berlin
Installation
Eintritt frei

Ausstellungseröffnung: Donnerstag, 11. April 2019, 19 Uhr, Eintritt frei

In ihrem Erstlingswerk, dem Haus E.1027, das sie 1926–1929 in Roquebrune-Cap-Martin am Mittelmeer erbaute, gestaltete die irische Architektin Eileen Gray (1878–1976) nahezu alle Teile selbst.

Die Installation des Schlafzimmers in der Passage des Akademie-Gebäudes am Pariser Platz gibt den Besuchern eine unmittelbare Vorstellung der umfassenden Architekturkonzeption einer zu Unrecht vernachlässigten Pionierin der Moderne.