urbainable – stadthaltig. Positionen zur europäischen Stadt für das 21. Jahrhundert

Ihre Anpassungsfähigkeit und Innovationskraft hat die „europäische Stadt“ seit der Antike zum Erfolgsmodell gemacht. Ist sie heute noch imstande, den großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts, Klimaverträglichkeit und Nachhaltigkeit zu begegnen? Die Defizite der Städte liegen zunächst auf der Hand: sie verbrauchen Ressourcen und fossile Energie, stoßen klimaschädliche Gase aus, versiegeln Flächen und erzeugen Abfall. Städte belasten Umwelt und Gesundheit, und sie sind Schauplatz sozialer Konflikte wie der Verteilung von Arbeit, Wohnraum und Vermögen. Doch wäre es denkbar, dass die Stadt nicht nur Teil des Problems, sondern auch Teil der Lösung ist? Könnte nicht gerade ihre Kraft zur Selbsterneuerung zum Motor für die notwendigen Veränderungen der kulturellen, technischen und gesellschaftlichen Systeme werden? Und inwieweit können Maßnahmen des Städtebaus und der Architektur solche Prozesse befördern?

Ehemalige Landebahn Tempelhofer Feld, Berlin, 2017

Niederbaumbrücke, Hamburg, 2010

Fuchs vor der Haustür, Berlin, 2017

Geldautomat im U-Bahnhof Hallesches Tor, Berlin, 2017

Nothing to see here, Berlin, 2007

Paris, 2017

Fridays for Future-Demonstration vor dem Kanzleramt, Berlin, 2019

Bahnhof Estação do Oriente, Lissabon, 2016

Die Ausstellung „urbainable – stadthaltig“ der Akademie der Künste, Berlin, spielt bereits mit ihrem Titel auf die Hypothese an, dass Nachhaltigkeit und Stadt nicht unabhängig voneinander gesehen werden können. Sie setzt sich mit der Rolle der europäischen Stadt in Zeiten der Klimaerwärmung, der Digitalisierung, des demografischen Wandels und der Auflösung traditioneller sozialer Netzwerke auseinander.

Die Ausstellung besteht aus zwei Teilen. Eine Rauminstallation aus Bildern des Berliner Fotografen Erik-Jan Ouwerkerk bildet ein urbanes Panorama, das – durch Fakten aus den Recherchen des Instituts für Entwerfen und Städtebau der Leibniz Universität Hannover ergänzt – in das Thema einführt und die Potenziale vermittelt, die unsere Städte für eine nachhaltige Entwicklung bereithalten.

Im Hauptteil der Ausstellung zeigen 34 Mitglieder der Sektion Baukunst der Akademie der Künste und ihre Gäste, wie diese Potenziale konkret genutzt werden können. Ihre Projekte, Visionen und Initiativen aus den Bereichen Architektur, Ingenieurwesen, Landschaftsarchitektur und Stadtplanung zeigen ein breites Spektrum an Ideen für die Stadt der Zukunft, vom konstruktiven Detail bis zur stadtplanerischen Vision, von der Gebäudetechnik bis zum politischen Diskurs. Es ist ein Kaleidoskop der Konzepte entstanden, eine Tour d’Horizon durch die aktuelle europäische Architektur und Stadtplanung entlang der drängenden Themen unserer Zeit, wie Digitalisierung, Mobilität, Kulturtechniken der Dichte, Umgang mit der Natur, Bauen im Bestand oder technische Innovationen.

Die aktuelle Schau wurde bereits vor der Corona-Krise geplant und konzipiert, doch bei ihrer Durchführung wurde die Erfahrung der Pandemie einbezogen. Schon jetzt zeigen sich die enorme Anpassungsfähigkeit und das kreative Potenzial unserer Städte. Dieses Potenzial zu nutzen anstatt nur die Defizite der Städte zu beheben, ist das Plädoyer dieser Ausstellung.

„urbainable – stadthaltig“ ist Teil des Europa-Schwerpunkts der Akademie der Künste im Herbst 2020. Begleitveranstaltungen und Führungen sind in Planung. Die Publikation zur Ausstellung erscheint bei ArchiTangle. Weitere Informationen folgen.

Eine Ausstellung von Mitgliedern der Sektion Baukunst der Akademie der Künste, gefördert von der Wüstenrot Stiftung.

Mit freundlicher Unterstützung durch die PERI Vertrieb Deutschland GmbH & Co. KG und die Euroboden GmbH.